Olga Benario und Luiz Carlos Prestes:

Die deutsche Komintern-Agentin jüdischer Herkunft,
Olga Benario, wurde Ende 1936, nachdem sie in Brasilien an einem misslungenen Aufstand beteiligt gewesen war, hochschwanger an das nationalsozialistische Terrorregime ausgeliefert. Im Frauengefängnis an der Barnimstrasse in Berlin bringt sie das gemeinsame Kind, Anita Leocádia zur Welt, welches man der Mutter nach vierzehn Monaten wegnimmt. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit wird das Kind der nach Berlin gereisten Leocádia Prestes, Mutter von Luiz Carlos Prestes, übergeben, die es nach Mexiko rettet.

Der chilenische Dichter und Nobelpreisträger Pablo Neruda schreibt für
Leocádia Prestes das Gedicht “Dura Elegia” (“Harte Elegie”). Bei ihrer Beerdigung am 14. Juni 1943 in Mexiko-Stadt trägt er es vor.

Olga Benario verbringt fast drei Jahre im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Im April 1942, das genaue Datum ist nicht bekannt, wird sie in der von den Nazis errichteten Gaskammer der psychiatrischen Anstalt Bernburg südlich von Berlin, umgebracht.

Der Lebenspartner Olga Benarios und Vater ihres Kindes, der brasilianische Offizier und Revolutionär
Luiz Carlos Prestes, hatte bereits Mitte der 1920er Jahre eine gegen die brasilianische Oligarchie rebellierende Militäreinheit geleitet und war seither in Brasilien als »Ritter der Hoffnung« bekannt. Nach dem Misslingen des von ihm 1935 geführten Aufstands gegen die Regierung Vargas verbrachte er neun Jahre in Rio de Janeiro in Einzelhaft

Die beiden Gefangenen konnten ihren Briefwechsel trotz größter Schwierigkeiten der Distanz, der Sprache und der Zensur selbst noch während Olga Benarios Inhaftierung in Ravensbrück aufrechterhalten. Im Zentrum der Briefe steht das Schicksal ihrer gemeinsamen Tochter Anita.